Jetzt

Jetzt…

…sollte das Leben eigentlich heißen – mit Vornamen. Aber ich nenne es für den Augenblick Später oder Gar nicht. Das scheint am einfachsten zu sein, vor allem wegen der vielen Zeitgründe. Man hat viel zu viel zu tun und eigentlich überhaupt keine Zeit. Darum. Und Später ist irgendwie Gar nicht. Wieso auch nicht? Was kann man jetzt schon tun? Nichts. Es ist jetzt wirklich nicht der richtige Zeitpunkt. Genauer gesagt, jetzt ist es absolut unangemessen. Jetzt IMPLIZIERT im Prinzip Unangemessenheit. Vielleicht kommt dies auch daher, weil niemand genau weiß, wann Jetzt wirklich genau ist. Es ist ja ohnehin die ganze Zeit über vorbei. Auf diese Weise ist es schwer, das Leben (wir wollen es beim Nachnamen nennen) zu erwischen. Ein Moment – schon ist es wieder weg. Was jetzt? Oder: Was – jetzt? Sie meinen sofort? Eher nicht. Jetzt kann nicht gehen, es ist nämlich schwerstens behindert und wenn es geht, dann nur am Stock und sehr sehr langsam. Es ist ein Krüppel und Krüppel sind in der Gegenwart nicht gerne gesehen, auch wenn noch soviele das Gegenteil davon behaupten.

So vergeht dein Leben nach dem anderen. Puff – puff – puff – alles umsonst mit dir. Mit den vielen kleinen Jetzt kommt man zu den Großen. Deswegen haben die Kleinen nicht weniger Bedeutung. Wenn du diesen einen Moment doch nur nicht so maßlos unterschätzt hättest – dann wäre alles anders gekommen und alles hätte plötzlich einen Sinn ergeben, aber so – so ist es einfach so, als ob du nicht hingesehen hättest. Jetzt kannst du auch ehrlich sein, denn du kannst ohnehin nichts mehr machen. Du kannst ehrlich sein und zugeben, dass du nicht hingesehen hast. Wer sieht schon einem Krüppel zu? Wer sieht sich schon selber zu?

  1. Noch nichts vom Leser.

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